Knappes Ja für Gegenvorschlag:
Stadt Zürich gibt den Ausschlag
Die Stimmbürger der reformierten Landeskirche haben am 27. September die Klimaschutz-Vorlage mit 52.7 Prozent angenommen (60'781 Ja bei 54'479 Nein). Die Stimmbeteiligung erreichte aufgrund der politischen Abstimmungen 40 Prozent.
Der Gegenvorschlag des Kirchenrats, von der Synode knapp gebilligt, kombinierte die Anliegen der Schöpfungsinitiative mit Zwangselementen zur Durchsetzung, namentlich der obligatorischen Zertifizierung mit dem Umweltlabel Grüner Güggel.
Ein näherer Blick auf die Ergebnisse zeigt Erstaunliches. Das kantonale Statistische Amt, das die Abstimmung durchführte, erhielt aus 109 politischen Gemeinden Nein-Mehrheiten; nur 51 votierten zustimmend. Den Ausschlag gaben die Stadtzürcher Reformierten. Ohne ihren Ja-Überschuss von 7'000 Stimmen wäre die Vorlage gescheitert.
In anderen Städten, auch in Winterthur, votierten die Urnengänger ebenfalls zustimmend – doch ausnahmslos alle Gemeinden im Umfeld Winterthurs lehnten die Vorlage mit dem kirchlichen Netto-Null-Ziel 2035 ab. In den Oberländer wie Unterländer Dörfern war das Nein fast flächendeckend.
Auffällig sind zudem Nein-Mehrheiten in Kirchgemeinden, die mit dem Grünen Güggel unterwegs sind. Eine Analyse der Ergebnisse nach Bezirken, aufgrund der in den politischen Gemeinden gezählten Stimmen:
Im Bezirk Affoltern, wo die in der Regionalgemeinde vereinigten neun Kirchgemeinden (dem Bezirkshauptort folgend) den Grünen Güggel annehmen, resultierte eine Zustimmung von 52.4 Prozent; vier kleine Kirchgemeinden lehnten ab.
Im Weinland ergab sich in vier von 20 politischen Gemeinden ein Ja; die Neinsager machten 56.6 Prozent aus. Die Kirchgemeinde Andelfingen, 2025 mit dem Grünen Güggel zertifiziert, lehnte die Vorlage mit fast 58 Prozent ab. In den Kirchgemeinden Laufen am Rheinfall und Feuerthalen, ebenfalls im Vorjahr zertifiziert, wurden 294 Ja und 296 Nein eingelegt.
In den Dörfern Nein, in Vorstädten teils Ja
Im Bezirk Bülach resultierte eine Nein-Mehrheit von 54.4 Prozent. Während in Wil im Rafzerfeld drei von vier Stimmenden ablehnend votierten, hielten sich in Kloten, Opfikon-Glattbrugg und Wallisellen Ja und Nein die Waage. Bülach, 2018 zertifiziert und 2022 rezertifiziert, lehnte mit 61.8 Prozent ab.
Im benachbarten Unterländer Bezirk Dielsdorf gab es bloss im Dorf Hüttikon (Kirchgemeinde Furttal) ein positives Zufallsmehr von 44:42 Stimmen. Sonst überwogen die Nein-Stimmen in allen 21 politischen Gemeinden – insgesamt 58.9 Prozent.
Im suburbanen Limmattal, wo die Reformierten bloss noch ein gutes Siebtel der Wohnbevölkerung stellen, stimmten 52.9 Prozent zu. In Schlieren, das mit Weiningen und Dietikon die Zertifizierung anstrebt, votierten über 60 Prozent zustimmend; Urdorf und Birmensdorf lehnten ab.
Ablehnung im Oberland
Im Oberland überwog die Ablehnung deutlich. Die elf Kirchgemeinden des Bezirks Hinwil lehnten die Vorlage sämtlich ab (insgesamt 55.8 Prozent Nein), auch Dürnten, das den Grünen Güggel erlangt hat (54.7 Prozent Nein). Allein in Wetzikon lagen die Befürworter fast gleichauf.
Der Bezirk Pfäffikon bietet mit 54.8 Prozent Nein-Stimmen ein ähnliches Bild. Die Kirchgemeinde Fehraltorf, die das Güggel-Zertifikat 2022 erlangte, lehnte mit 52 Prozent Nein ab; das 2025 zertifizierte Weisslingen gar mit 67 Prozent! Als einzige Kirchgemeinde stimmte Illnau-Effretikon (auf dem Weg zur Zertifizierung) zu.
Im verstädterten oberen Glatttal trug die Stadt Uster (58.9 Prozent) den grössten Teil zum Ja-Überschuss des Bezirks von 607 Stimmen bei (gesamthaft 53.1 Prozent Ja). In vier von zehn politischen Gemeinden gab es ein Nein.
Güggel-erfahrene Gemeinden ohne Begeisterung
Um den Zürichsee hat der 27. September auch bemerkenswerte Ergebnisse geliefert. Meilen war 2015 die erste Schweizer Kirchgemeinde überhaupt, die sich mit dem Grünen Güggel zertifizierte. Nun sagten weniger als 52 Prozent der Stimmenden Ja zur kantonalen Güggelpflicht. In Stäfa-Hombrechtikon, seit 2016 Güggel-Träger, resultierte exakt dasselbe Votum. An der Goldküste stimmten insgesamt 50.8 Prozent für die Vorlage. Im Bezirk Horgen legten 53.2 Prozent ein Ja ein. Im Bezirkshauptort – die Kirchgemeinde ist zertifiziert – resultierte ein Zufallsmehr von acht Stimmen.
In Winterthur fiel das Ja leicht
Die Reformierten in den beiden Grossstädten gaben den Ausschlag. In den sieben Kirchgemeinden Winterthurs stimmten 62.4 Prozent der Urnengänger zu – ein Ja-Überschuss von fast 2800 Stimmen. Das Ja fiel den Winterthurer Reformierten leicht, weil die versierte Liegenschaften-Verantwortliche des Stadtverbands den Kirchgemeinden einen Grossteil der Arbeit abnimmt (ein Umweltteam für alle!) und die vier noch nicht zertifizierten Gemeinden im Konvoi geschickt anleitet.
Im rezertifizierten Winterthur-Seen hat die Ernüchterung über den anhaltenden Güggel-Aufwand die Zustimmung auf 53 Prozent sinken lassen. In Winterthur-Stadt gab es fast 72 Prozent Ja. Der Kontrast zur Region ist eklatant: Alle Landgemeinden des Wahlkreises Winterthur lehnten die Vorlage ab!
Stadtzürcher geben den Ausschlag – nach Ja-Empfehlung der Kirchenpflege
Die Reformierten in der Stadt Zürich entschieden die Abstimmung. 12'179 stimmten Ja, 5'177 Nein. Der Ja-Überschuss von 7'002 Stimmen ist grösser als jener von 6'303 im Kanton (60'773 Ja bei 54'470 Nein). Mit anderen Worten: Ausserhalb dieses einen Wahlkreises fand die kantonalkirchliche Vorlage keine Ja-Mehrheit.
Weshalb legten 70.2 Prozent der Stadtzürcher Reformierten ein Ja ein? Ein Grund – neben der Hitze im Sommer 2026: Die Kirchenpflege der Riesengemeinde (im Bezirk lebt fast ein Fünftel aller Stimmberechtigten der Landeskirche) hatte Anfang Juli eine Ja-Empfehlung beschlossen. Anders als die meisten Kirchenpflegen im Kanton, die nach der kirchenrätlichen Mahnung zur Zurückhaltung keine Empfehlung für den Abstimmungskampf abgaben, wurde die Stadtzürcher Kirchenpflege, mit Juristen wohl versehen, aktiv und legte der Kirchenbasis ein Ja nahe.
Im reformiert.lokal, das vor einem Monat in die Haushalte gelangte, ist nach der Information über die Vorlage und ihre Entstehung zu lesen: «Der Gegenvorschlag stimmt mit den Vorhaben der Kirchgemeinde Zürich überein, deshalb unterstützt die Kirchenpflege den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative. Er decke sich mit vielen Massnahmen, welche die reformierte Kirchgemeinde Zürich in verschiedenen Bereichen bereits ergriffen habe und noch ergreifen werde, heisst es in der Begründung. An der Einführung des ‹Grünen Güggels› wird bereits gearbeitet …»
Kurzanalyse der Abstimmung von ref.ch mit Karte, welche die Ja-Stimmenanteile in den politischen Gemeinden anzeigt.